Kubanische Mechanikerkunst

In Ciego de Abril schlendern wir durch die Strassen. Es sieht aus wie vielerorts: Eine von Schlaglöchern belegte Strasse, wo sich Autos chinesischer Abstammung, alte Schrottkarren, antike Oldtimer, Velotaxis, moderne Elektrotoller und Pferdefuhrwerke wild hupend kreuzen. Dazwischen balancieren Fussgänger über die Calle, sie sind mehrheitlich dunkler Hautfarbe. Gesäumt wird die Strasse von bunten Hausfassaden, viele sind vom Zah der Zeit arg gebeutelt. Der Baustil ist meist ein- oder zweistöckig, kolonialer Einschlag (Säulen und Schnörkel oder so) und offmals besitzen die Häuser noch einen bauliche Erweiterung auf dem Dach oder sind aber mit einer Dachterrrasse versehen. Einiges ist sehr gut im Schwung, bei vielen Gebäuden ist der Schwung etwas verpufft…

Und irgendwo in dieser Szene sitzt er, der PC Bastler und Zaubermechaniker. An den Namen erinnere ich mich nicht mehr, nennen wir ihn «Jose el Mecánico». Er sitzt vor seiner Werkstatt am eben besungenen Strassenrand, neben ihm steht ein Wundermaschine, die einem Motorrad ähnelt. Ich bleibe stehen und bestaune das Wundersame Ding. Nach einigen Augenblicken spricht mich Jose e.M. an, mein Lonley-Planet Reiseführer in der Hand hat mich längst als Tourist entlarft.

Jose fragt mich, wo ich her komme, zumindest glaube ich mit meinem äusserst beschränkten Sprachkenntnissen etwas in dieser Richtung vernommen zu haben. Vielleicht hat er aber auch nur gegrüsst. Ich beaugapfle weiter sein Vehikel. Da gibt es einen Motor russischer resp. sowjetischen Ursprungs, wie Jose nun erklärt. Über einen Zahnriemen aus chinesischer Produktion wird eine Scheibe angetrieben, die über eine Kette (Herkunft unklar) das Ritzel der Hinterachse antreibt. Das Ritzel soll von einem Kriegsfahrzeug aus einem Weltkrieg stammen – welcher genau krieg ich nicht vermittelt. Das Hinterrad wiederum ist mit einem Pneu aus Argentinien bestückt, der Felgen und die Speichen sind aus heimischer Werkstätte und die Nabe kommt glaube ich aus weis-nicht-mehr-wo. Rahmen, Lenker und Verkabelung (es hat nur das absolut notwendigste daran) kommt irgendwie vom Trödler.

Jose e.M. ist sichtlich stolz darüber, dass ich an dem Geschoss soviel Interesse zeige. Übrigens soll das Ding 70 km/h auf die Piste bringen, ich verzichte dann aber auf eine Probefahrt mit Jose. Jose zeigt mir dann noch seine aktuelle Baustelle, ein Motor-Bike mit Stossdämpfer aus Italien…

Eines ist mir seit meinem ersten Tag hier in Kuba klar: Die Kubaner sind Weltmeister in «Bastel-Technik».

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