Ja klar, das musste ja kommen. Klein Fänkilein im grossen Medellín bei den bösen Buben – da wird er sicher was zu erzählen haben. Natürlich, meine Freunde, davon will ich euch erzählen und – schön, dass ihr immer noch den Blog lest, macht Spass mit euch und euren Feedbacks!
Hand auf’s Herz. Wer von euch war schon in Medellín? Wohl nicht sehr viele. Erstens liegt dieses Kolumbien nicht gleich um die Ecke und zweitens will man in den Ferien ja nicht unbedingt die Schattenseiten eines Landes kennen lernen. Nein, man will bädele, sünnele, ein bisschen tänzlen, vielleicht etwas schmüselen und es gemütlich haben – claro!
Vor meinem kleinen Reisli habe ich das Wort „Medellín“ irgendwie mit Drogen, Korruption, Kriminalität, Mord und Totschlag in Verbindung gebracht. Dazu gilt es zu vermerken, dass ich in der Schule ja einen Fensterplatz hatte und ich von Französisch, Geografie, Singen, Religion usw nicht sehr viel mitbekommen habe. Ähhh Kolumbien, wo liegt das doch schon wieder? Ich geb’s ja zu: Meine Banknachbarin hiess Brigitte und die war sozusagen meine „Beraterin“, vor allem in den Prüfungen. Sie hat immer alles gewusst – merci Brigeli, auch noch im Nachhinein!
Sorry, bin jetzt etwas vom Thema abgekommen. Irgendwie sind wir dann also doch in Medellín gelandet und hier zur Einstimmung das erste Bild, das ich von dieser City erhalten habe.

Nach einer ca. 10h Busfahrt erreichen wir am frühen Morgen von Norden her Medellín. Ich traue meinen Augen nicht: Da öffnet sich plötzlich das Tal etwas und vor uns liegt eine ausgewachsene Großstadt mit um die 3 Mio. Einwohnern auf 1’500 Metern Höhe mitten in den Bergen. Abgefahren sag ich euch!

Tja, und was war da mit Drogen, Korruption, Mord und Todschlag. Die City macht gar nicht so einen üblen ersten Eindruck auf mich. Ok, wir kommen da aus der Metro und hoppla, zwei Sicherheitsjungs kommen auf uns zu, der eine trägt den Colt in der Hand und der andere hat den Donnerbalken schussbereit im Anschlg. Heiliges Kanonenroh, da wir auch einem Mitrailleur-Offizer der schweizerischen Hobbyarmee etwas „gschmuch“ ums Herz. Wir machen das, was wir in solchen Situationen immer machen: tapfer weiter marschieren!
Ich möchte aber klar stellen, dass klein Angsthase Fänki sich nie unsicher gefühlt hat in diesem Medellín. Die Jungs mit den Zahspangen und der umgehängten Knarre scheinen die Lage im Griff zu haben.
Ja, es gibt da in der jüngeren Vergangenheit ein ganz, ganz dunkles Kapitel: Es heit’s Pablo Escobar. Ein skrupelloser Drogenhändler und Terrorist, der in den 80er hier in Medellín gewütet hat und der Stadt Medellín und ganz Kolumbien eine äusserst unrühmliche Hinterlassenschaft beschert hat. Geboren wurde er 1949, brach die Schule vorzeitig ab und wuchs schnell zum kaltblütigen Kriminellen heran. Innerhalb weniger Jahre wurde er durch gross angelegten und erstmals in der Kriminalgeschichte industrialisierten Drogen-Schmuggel als Oberhaupt des sogenannten Medellín-Kartells zu einem der reichsten Menschen der Welt.
Er wird als einer der bisher mächtigsten und brutalsten Drogenhändler angesehen. Die Morde an 30 Richter sowie 457 Polizisten gehen auf sein Konto und er sprengt sogar eine vollbesetzte Passagiermaschine in die Luft. Es gelang ihm sogar durch Bestechung, schlaue Spenden und Investitionen für die ärmste Bevölkerung in den kolumbianischen Kongress gewählt zu werden. Im Jahr 1989 soll Escobar 80% des weltweiten Kokainhandel kontrolliert haben und zum 7. reichsten Menschen aufgestiegen sein.
Unter US Präsident Bush wurde dann ein Milliarden Budget gegen den kolumbianischen Drogenhandel investiert, da Miami ein grosser Umschlagplatz dafür geworden war. Beim Kampf gegen den kolumbianischen Drogen-Handel versprühte die US-Luftwaffe Herbizide auf Kokainpflanzungen in den Regenwäldern Kolumbiens. Irgendwann Ende 1991 starb Escobar schließlich, als eine US-amerikanisch-kolumbianische Elite-Einheit ihn bei einer Razzia in Medellín erschoss: Er hatte aus seinem Versteck heraus mit seinem Sohn telefoniert, wobei die Ermittler den Anruf zurück verfolgen konnten.

Gegen den Escobar-Sumpf und die grasierende Kriminalität ist die Regierung von Medellin durch schlaue gesellschaftliche „Transformationsprojekte“ vorgegangen. Es wurde eine Metro und zwei Seilbahnen gebaut um die verschiedenen Stadtgebiete besser zu erschliessen. Ein äusserst günstiger Einheitstarif ermöglicht es so auch der Bevölkerung aus den Randquartieren Arbeitsstellen zu erreichen.

Im heicklen Bereich der Innenstadt wurde eine Bibliothek, die Uni-Administration und viel Kunst installiertein um die Durchmischung der Gesellschaftsschichten zu fördern. Viel wurde auch für den Tourismus gemacht und damit zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. Weiter wird sehr auf die Präsenz von Sicherheitskräften gesetzt.
