Segeln in der Karibik – Auf den Spuren von Captain Jack Sparrow

Der folgende Text ist nichts für schwache Nerven, hier wird Seemannsgarn gesponnen!

Der Mond wird von Wolken verschleiert, man sieht die SANGRIA nur schwach, wie sie in den Wellen hin und her schauckelt. Piratenkapitän „Mike“ und sein Haufen Höllenhunde ankern im gottverlassenen Fischernest Puerto Lindo (Panama), das vorallem von geflüchteten Sklaven besiedelt wird. In der Dorfkneipe geht es hoch her, das Piratengesindel ölt die Kehlen mit Rum vor dem nächsten Raubzug.

Geschützt von einigen kleinen Palmeninseln halten sich hier oft Piraten auf und machen sich für Raubzüge in den karibischen Gewässern bereit. Oft flüchten sie sich auch in diese geschützte und schwer schiffbare Bucht. Oft enden diese Raubzüge schlecht. In der Bucht zeugen mehrer Schiffsfracks von gescheiterten Piratenstreifzügen. Wenigstens haben es diese Piraten, noch bis hier hin und enden (noch) nicht an einem spanischen Galgen.

Gut 20km weiter östlich liegt das gut befestigte Portobelo. Die spanischen Eroberer   haben diesen strategisch wichtigen Hafen ausgebaut und mit Mauern und Kanonen verstärkt. Sie sichern sich damit ihre kolonialen Ansprüche und schützt sich gegen Piratenangriffe und andere Feinde.

Käpten Mike hat mit der Sangria und seinen Piraten aber weit höhere Ziele, als sich von der Portobelo Besatzung eine Kugel aufs Fell brennen zu lassen. Viel lukrativer für die Piraten der Karibik ist Cartagena (Kolumbien), wo „Kleingeld“ zu Hauf liegt und nur darauf wartet, abgeholt zu werden. Nur 3-4 Tage entfernt ist dieser wichtige Umschlagplatz für Raubgold und Silber der spanischen Kolonialmacht. Hier werden die gestohlenen Bodenschätze der lateinamerikanischen Welt hingebracht, gelagert und nach Spanien verschift. Bald wird auch die SANGRIA in See stechen und ihr Glück in Cartagene versuchen …

photopictureresizer_180524_212327173_crop_340x2621488887266.jpg
4 Tage segeln wir zwischen den San Blas Inseln herum, bädelen und besuchen die indigenen Guna Yala Bevölkerung, mit der unsere Crew sehr eng verbunden ist und die uns auch mit Fisch und Meertieren versorgen. Im Gegenzug dürfen Sie ihre Handys in der Sangria laden, da sie auf ihren Insel(chen) meist keinen Strom haben – die Begegnungen mit diesen Ureinwohnern sind sehr bewegend, ich verfasse darüber noch einen eigenen Blog.

Ok Folks! Nach dieser atemberaubenden Einleitung ist euch klar, in welchen historischen Gewässern Judith und ich unseren Segeltransfer von Panama nach Kolumbien absolvieren. Es gibt hier nur den Luft- oder Seeweg. Der Landweg ist Dschungel und nicht passierbar. Das Piratenfeeling segelt mit.

In diesem Post gebe ich euch mein Logbuch preis. Zurück lehnen, Schilderungen überfliegen und Bilder geniessen!

16.05.2018 – Früh aufgestanden, um 8 Uhr in Casa X bereit – muss nochmals in Lodge zurück, wir haben noch etwas im Auto vergessen… kennen wir doch diese Story! – Captain Mike kennen gelernt, er trägt eine Zahnspange (!) mein Idealbild vom Piratenkapitän sieht schon etwas anders aus – Pässe abgeben und lange, lange mit den anderen 8 Passagieren warten – dann gehts schnell, Gepäck in ein Transport-Boot einladen, zur Sangria rausfahren, Kojen zugewiesen erhalten (das wird eng!), kurze Instruktion, dann sticht die Sangria in See – Wetter ist gut – Instand Nachtessen, welche Enttäuschung – vor Insel „El Porvenir“ (Bilderbuchinsel) gehen wir spät vor Anker – bisher nicht seekrank!

photopictureresizer_180524_212507439_crop_665x2441178268732.jpg
Die verbleibenden 2 Tage segeln wir mit Kurs Cartagena übers offene Meer. Baden war da nicht mehr möglich, weil die Tigerhai das ziemlich cool fänden… Das ganze ist eine schauckelige Angelegeheit, vorallem wenn es nachts noch Gewitter gibt. Es ist Regenzeit und das Wetter schlägt schnell um und ist ganz abwechslungsreich gestimmt.

17.05.2018 – Erste Nacht auf See gut überstanden, es war die ganze Nacht sehr warm, wie in der Karibik so üblich, sehr leckeres Morgenessen auf Deck, wir segeln durch türkisblaues Meer, zwischen kleinen Insel hindurch und gehen nach ca. 2h auf N 9.576799, W -78.726435 zwischen Palmeninselchen vor Anker, wir springen von Deck, baden und schwimmern an Land, das Wasser ist sicher 25+ Grad oder noch wärmer und total klar.

Crew bereitet Mittagsgrillen auf Insel vor, L-E-C-K-E-R! Judele und ich machen uns auf und erkunden die Insel, unglaublich! weisser Strand, Palmen eine Palmenhütte wo eine Familie lebt, sonst weit und breit keine Menschensseele, dann segeln wir kurz weiter und Ankern vor einer nächsten Insel mit zwei Hütten drauf, baden, sünnele, Durst löschen, usw.

Am Abend auf der Insel Feuer gemacht und Feuerartistin aus anderer Bootscrew zugeschaut, in der Nacht mit Schlauchboot zur Sangria gefahren (nicht geschwommen) weil in der Nacht hier Stingrays (Stachelrochen) auftauchen, heute wohl etwas viel Sonne abgekriegt, Wetter eher wolkig.

10404301051883150.jpg
Eine der unzähligen Palmeninseln im karibischen Abendlich

18.05.2018 – Morgenessen und Seegeln zu neuer Inselgruppe, auf Insel geschwommen und Judele kauft Armband von einzigem Inselbewohner mit Hund namens „Suiza“ (Schweiz), wunderbare Insel, Mittagessen dann kurzer Turn zu neuer Inselgruppe, man kann mehrere Inseln schwimmend erreichen. Viel Baden und am Abend früh zu Bett, fühle mich nicht so gut!

… und weil sie so schön sind, noch eine

19.05.2018 – Eher schlchte Nacht. Nach feinem Morgenessen weiter gesegelt nach Insel Nagar und Ausflug auf Hauptinsel zu den indigenen Guna Yala, ein älterer Guna erzählt von der Befreiung, wir sind hier sehr nah an deren tragischen Geschichte dran.

Anschliessend wieder super Mittagessen von Captain Mike, weiter zu letztem Badeort gesegelt, werden von einer Gruppe Delfine begleitet, ein absolutes Highlight diese wendigen und verspielten Geschöpfe um dich herum zu habenund, dann Baden und plätzlich Gewitter, coolse Feeling: Wasser unten und oben, Shit-Head gespielt und dann gegen Abend auf’s offenes Meer losgesegelt, Nachtessen in voller Fahrt, es ist eine sehr unruhige Nacht und ich nehme Dramamine Tabletten…

1040442857090797.jpg
Die Crew kocht hervorragend, Captain Mike ist gelernter Koch
1040451616961500.jpg
Die Sangria liegt vor Anker

20.05.2018 – Eine unruhige Nacht gehabt, fühle mich nicht so wohl, ganzer Tag viel gelegen, die Sangria wir oft ziemlich durchgerüttelt, es wird die ganze Zeit gesegelt, nochmals Chemie eingeworfen, das hilft.

Gegen Abend das Ruder übernommen und mit der Sangria auf dem Meer herum getorkelt, wegen dem Ausfall des Alternators (kein Strom auf hoher See) können wir nicht mit Autopilot segeln und Crew macht 24h Dienst, früh schlafen gegangen – oh Land, oh festes Land, wann kommst du endlich!

Fotogallerie: Klicke auf die Bilder und erfahre mehr dazu

21.05.2018 – 6. Tag auf hoher See, wiederum unruhige Schiffsfahrt, Ankunft in Cartagena um ca 0330 Uhr, nach kurzem Frühstück die Sangria räumen, verabschieden und Hostel suchen. Ein unglaubliches Abenteuer ist auf einen Schlag zu Ende.

Nachtrag

Ich hoffe, mein Artikal hat die Schönheit und Faszination des beschriebenen Teils der Karibik würdig wieder gegeben. Es gibt aber da noch etwas sehr Bedenkliches nachzutragen. Wir haben auf unserer Überfahrt sehr viel Müll aus dem Meer gefischt und ordentlich entsorgt. Teils ist die Crew mit dem Beiboot die Sachen auf hoher See einsameln gegangen.

Viele der traumhaften Palmeninseln sind alptraumhaft verschmutzt. Ich vermute, dass viele dieser PET-Flaschen, Plastikfetzen, Aludosen und was sonst noch rum liegt, angeschwemmt wurde und nicht örtlicher Abfall ist. 200 Jahre oder mehr überlebt ein PET-Scheisserchen.

Es ist dann leider auch so, dass die einheimische Bevölkerung an die Verschmutzung doch auch einen guten Anteil beisteuert. Hier muss dringend ein Umdenken statt finden, sonst haben wir bald alptraumhafte Sun Blas Inseln.

Hinterlasse einen Kommentar