Tabak für die Welt

Unsere Reise führt uns 2x in den Westen von Kuba nach Viñales. Hier ist es, wie offenbar vielerorts in Kuba, sehr fruchtbar und alles erscheint in einem «trockenen Grün». Wir befinden uns hier im Zentrum der Tabakproduktion von Kuba und der weltbekannten Zigarren.

Die Tabakfelder werden mehrheitlich von Hand bestellt und man sieht zu fast jeder Tageszeit die Bauern auf «ihren» Feldern arbeiten. Das historische Kuba wurde ja lange Zeit vom Grossgrundbesitz brutal beherrscht und ausgebeutet. Fidels Revolution hat hier dann ziemlich neue Verhältnisse geschaffen. Die Anbauflächen gehören offenbar vor allem dem Staat und dieser hält bis heute auch das Monopol für Produktion und Absatz von Tabakprodukten. Alle Plantagen die wir besucht haben liefern 90% dem Staat ab und 10% kann der Besitzer oder die Kooperative für den Eigenbedarf behalten. Ich denke, dass viel davon in einem grauen Markt verhökert wird, jedenfalls werden bei jeder Gelegenheit den Touristen Cohibas («Hello my friend, Cohibas, best price») angeboten. Diese Grauhändler machen durch «Zischlaute» überall in den Städten auf sich aufmerksam.

9 Monate dauert die Ausbildung in einer der staatlichen Zigarren-Manifakturen

Mit unserem kubanischen Freund Leo haben wir aber auch eine private Plantage besucht, bei der er angestellt ist. Die Finca «Alejandro Robina» hat die Verstaatlichung durch die Revolution aus irgendeinem Grund überlebt, wurde im Jahr 1845 gegründet (so steht´s jedenfalls im schmideisernen Portal geschrieben) und ist in der 5. oder 6. Generation in Familienbesitz. Der Guide erklärt sehr eindrücklich den Prozess der Tabakherstellung von der Aufzucht der Setzlinge, über die Aussaat, Pflege und Ernte, über die Trocknung, die Fermentierung und Qualitätsselektion, bis hin zum Prozess der Herstellung.

In der Trockenscheune sitzt dann ein alter Kubaner, der uns zeigt, wie die Zigarren zusammengesetzt und gerollt werden. Dies geschieht eigentlich nur in staatlichen Zigarren Manufakturen. Hier wird das demonstriert, weil in den staatlichen Stätten Fotografieren streng verboten ist und hier darf man nach belieben knipsen. Es ist nun definitiv nicht so, dass in Kuba die Zigarren auf den Oberschenkeln von Jungfrauen gerollt werden…

Die Besichtigung geht dann noch zu einer Wand mit Bildern von Gästen dieser Finca, darunter sehr viel Prominenz. Unteranderem soll auch Nicki Lauda hier gewesen sein und ein grosses Robina Wappen gestiftet haben und auch die Castro-Familie war schon auf der Plantage zu Besuch und hat im Plantagenrestaurand gespiesen. Erklärt das die Frage wegen dem Grundbesitz?

Wir haben auf unserer Reise verschiedene Tabakplantagen besucht und immer wieder Zigarren geschenkt oder zum Kauf angeboten erhalten. Aber trotz gutem Willen kann ich dem Tabak-Pfaffen den Genuss nicht erkennen. Aber der Handel mit Tabak scheint für Kuba ein gutes/wichtiges Geschäft zu sein. Ich glaube zu wissen, dass die Villiger-Stumpen in der Schweiz auch aus kubanischer Produktion stammen.

Nach der Besichtigung Robin erklärt der Guide noch so beiläufig, dass er mit der neuen kubanischen Regierung auf eine Öffnung des Marktes für Private Plantage hoffe. Ich bin gespannt, was die nach-Gastro Generation aus diesem fruchtbaren Land machen wird, dass seit 50 Jahren quasi still steht.

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