1. Schultag im Tavelling Classroom

ESTUDIO SAMPERE (www.sampere.es) ist die Sprachschule in Kuba, die uns Spanisch beibringen soll. Das Programm „Traveling Classroom“ sieht vor, dass die Studenten in kleinen Klassen eine Woche Spachschule absolvieren und dann während einer begleiteten Reisewoche das Gelernte vertiefen (practicar). Die Schule organisiert auch die Unterkunft bei einer Gastfamilie (Habitation) und gekocht und gegessen wird in der Schule selbst. Die Schule unterstützt die Studenten auch bei der Organisation von An- und Weiterreise und organisiert Ausflüge und Kulturanlässe.

Das Angebot tönt spannend und bietet auch, was es verspricht. Wir reisen am Samsatag an, werden zu einer tollen Unterkunft weitergeleitet und dort herzlich empfangen. Am Abend gibts Nachtessen in der Schule und man lernt die ersten Mitschüler kennen. Es sind etwas 15 Studies am Nachtessen anwesend und sofort werden Seilschaften gebildet. Wir sind von Anfang an „La Familia“ weil Fänkis ja zu viert (Judith, Beno, Tim und meine Wenigkeit) aufkreutzen.

Zum ersten Mal in der Schule

Die Schule startet am Montagmorgen mit dem Frühstück (viel zu früh) um 8:15 Uhr und um 9 gehts dann zur Sache. Eintrittstest, Klassen bilden, vorstellen (geht sehr harzig): „Soy Suiza…., tengo 57 años, …, Wörtli erläutern, männlich endet auf «O», weiblich auf «A», yo como, tu comes, el come, … usw. Es scheint mir, als wäre das Lernen bei mir auch schon einfacher gegangen. Aber immerhin sprechen eine halbe Miliarde Menschen auf diesem Planet diese Sprache und Judith und ich werden uns noch viele Wochen in diesem Sprachkreis aufhalten und Cervesa bestellen wollen. Und, oh Schreck, das Italienisch ist mehr Fluch als Segen und kommt immer irgendwie in die Quere, nicht zur Freude der Professorin.

Die Dame heisst Gisela, ist mittleren … äh eher älteren Datums, adret gekleidet, kompetent und von Fidel & Co völlig überzeugt, wie sich später noch herausstellen wird. Das Klassenzimmer ist eine Terrasse, Katzen, Eidechsen und Vögel spielen herum, Temparatur 25+°C, herliches Wetter. Mann oh Mann, was will man mehr? Pause gibts irgendwann um halb zehn, sie wird eingeläutet von einer Klingel, wie ich sie aus der Grundschule vor gefühlten 150 Jahren her kenne. So hangle ich mich also durch den ersten Schultag, irgendwann ist dieser zu Ende und ein paar einfache Sätze bleiben der Spur nach haften.

Dann gehts zum Mittagesen in der Schule, auf dem Teller landet Bekanntes und weniger Bekanntes (exotisches). Mit einer ordentlichen Portion Hausaufgaben zieht „La Familia“ dann irgendwann ein paar Wohnstrassen weiter nach Hause. Kurzer, holpriger Schwatz mit der Gastfamilie (die Vegas sind grossartig!!!) auf Spanisch und dann wir sicher 2 Stunden „gearbeitet“.

Am Abend dann erste Schritte im Quartier. Das Leben hier in Kubas Strassen ist auch nach mehreren Tagen Aufenthalt immer noch sehr gewöhnungsbedürftig. Überall cruisen die alten Amischlitten aus den 50ern und 60ern herum und viele Automarken, von denen ich noch nie im Leben gehört habe. Die Fahrzeuge sind mehrheitlich gigantische Flickwerke, die offenbar fahrtüchtig sind. Von aussen würde man das aber gar nicht immer für möglich halten. Die Strassen sind voller Schlaglöcher, oftmals so tief, dass die Autos nur im Schrittempo pasieren können.
Es ist immer noch sommerlich warm (nach mitteleuropäischem Massstab!) und überall sitzen die Leute herum und debattieren oder schauen einfach zu. Selten start jemand draussen auf eine Handy wie das bei uns üblich ist. Die Kubaner sind draussen um zu kommunizieren. Was auffällt, man wird von den Leuten spontan angesprochen. „La Familia“ fühlt sich noch etwas unsicher in dieser fremden Szene. Nach dem Nachtessen in der Schule geht es mit dem Schulkollegen Peter in eine Strassenbeiz, wo er uns über seine Erfahrungen hier in La Habana erzählt. Er ist bereits seit einer Woche da und die Infos sind für uns wertvoll. Und so endet der erste Schultag mit einer gehörigen Portion Eindrücke und einem «Bucanero» als Schlumi.

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